Fernwanderungen Via Francigena

Tag 5 – Ein Tag der Rekorde

Von Ivrea nach Santhia – 37,27 km

Rekordverdächtig lange brauchte heute Peter, bis er seine sieben Sachen gepackt hat. Das geht bei ihm sonst immer «ratzifatzi». Rekordverdächtig spät sind wir heute gestartet. Auf dem Camino sind wir immer so kurz vor oder nach 06h00 los marschiert. Hier auf der Via Francigena geht das nicht, weil es um 06h00 definitiv noch zu dunkel ist. Aber halb acht ist für uns definitiv extrem spät.

Rekordverdächtig lange ist es gegangen, bis ich heute angefangen habe, meine Schritte zu zählen. Erst auf den letzten 200 Metern unseres Marsches musste es sein, denn ich konnte nur noch in rekordverdächtigem Schneckentempo laufen.

Nachdem ich gestern arg gelitten hatte wegen meiner kleinen Zehe, habe ich einige Tipps bekommen. Unter anderem auch von Gabrielle mit dem Tipp für meine FKK-Zehe. Hab echt nicht gewusst, dass es diesen Spitznamen gibt. Peter hätte Podologe werden sollen, er hat meine Füsse perfekt verarztet. Erst bei Kilometer 11 ging es nicht mehr. Flugs verschwand er in der wohl rekordverdächtig ältesten Farmacia und holte schmale Tapes, die rekordverdächtig billig aber auch rekordverdächtig alt sind. Damit machte er das, was im Youtube-Link von Gabrielle empfohlen wurde. Meine kleinen Zehen wurden rekordverdächtig dick verpackt.

Die Platzauswahl im Schuh war limitiert und so haben sich meine Zehen ein Weilchen darüber gestritten, wer jetzt wem Platz machen muss.

Die Gegend wird rekordverdächtig schön. Vorbei an Rebbergen, Kiwi-Bäumen, unter Kastanien -und Feigenbäumen durch, rekordverdächtig lang auf Feldwegen an Maisfeldern, Olivenplantagen und Baumnussfeldern vorbei. Und ein Baumbuswald war auch dabei. Herrlich.

Es ging rekordverdächtig lange, bis wir endlich ein Lokal gefunden haben, das Pilgerpässe stempelt. Gefunden und für perfekt befunden haben wir es endlich in Bollengo. Das ist ein riesengrosser Unterschied zu den Caminos in Spanien. Dort ist die Infrastruktur auf über 300’000 Pilger pro Jahr ausgerichtet. Hier sind es pro Jahr – noch – wenige 2’000. Das wird sich definitiv ändern, davon sind wir überzeugt.

Nach nur knapp weiteren 10 Kilometern habe ich den Rekord im «bitte schau mal meine kleine Zehe an» gebrochen. Zum dritten Mal haben wir alles ausgepackt, die Socken und Pflaster abgestreift und den Übeltäter gefunden. Es war eine riesengrosse Blase über die ganze Unterlänge des kleinen Zehs. Mein persönlicher Podologe kümmert sich hervorragendst darum und ich konnte in Rekordzeit wieder aufbrechen.

Auf dem ganzen Weg haben wir rekordverdächtig viele Tiere gesehen: Hasen, Schweine, Schafe, Esel, Pferde, Kühe, Riesenheuschrecken, Elstern, Tauben, Eidechsen, Enten, Schnecken, Raben, Hängebauchschweine, Raupen, Störche, Ziegen, Bienen, Katzen und Hunde. Überall Hunde, Hunde, Hunde, Hunde, Hunde (davon gibt es hier einfach zu viele – vor allem von den Kläftzern).

Definitiv einen Rekord haben wir mit unserer Weglänge heute gemacht. Über 37 km. Ich muss schon sagen, das hängt so richtig an. Und das Resultat: rekordverdächtig viele Blasen an meinen und seinen Füssen. Bei mir sind es 11 und bei Peter 5. Ui ja, fast vergessen. Heute haben wir – genau – rekordverdächtig viele Stempel sammeln können – 3 Stück! Genial.

Jetzt geht es dann ab zum rekordverdächtig freundlichsten Hotelier, den wir bis jetzt hier erlebt haben. Leider ist die Herberge geschlossen (zu wenig Gäste wegen «duweistschonwarum»). Die Dusche war schon rekordverdächtig herrlich und jetzt haben wir mächtig Hunger. Ich bin sicher, dass der Abend unsere Rekordserie weiterführt.

En Guete.


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