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Tag 1 – Die Hitze schlägt voll zu

Von Porto nach Angeiras – 27 km

Die Herberge in Porto war richtig, richtig schön und der Innenhof ein Traum. Miguel erklärte uns, dass wir uns vom Garten einfach bedienen dürfen, alles sei für die Pilger da. Ausser – und das betont er sogar zwei Mal – die Schildkröte sei nicht zum Verzehr gedacht. Er müsse das sagen, es habe schon Asiaten gegeben, die seine Schildkröte essen wollten. Peter füttert sie dann mit einer schönen grossen roten Erdbeere und ich staune, wie ratzifatzi die Erdbeere vernichtet ist. Die Katze unten auf dem Bild heisst übrigens Pellegrino. Wie passend!

Miguel hat uns für das Abendessen einen Tipp gegeben. Klein fein und portugiesisch. Die Chefin ist ein Herz von Mensch. Da wir ja wirklich nichts verstehen, nehme ich DeepL zur Hilfe und lerne, dass wir heute nachmittag nach der Ankunft in Porto Kutteln mit Salsichas und Seehecht-Filets hatten. Aha. Muss ja jetzt nicht nochmals sein. Zum Schluss bietet uns Angelina noch einen portugiesischen Limoncello hat – homemade. “ONLY THE BEST FOR THE GUEST”, sagt sie und lächelt über ihr ganzes schönes Gesicht.

So viele Nationen an einem Tisch

Ich bin hundemüde und möchte schlafen gehen. Blöderweise fragt Peter Miguel, ob er noch eine Flasche Wein hat. Klar hat er – und zack – sitzen Holland, Italien, Rumänien, Spanien, Deutschland und die Schweiz an einem Tisch. Ja, es ist herrlich, es sind wieder Pilger aus der ganzen Welt anzutreffen. Ich dreh aber fast durch. Denn Piedro aus Rumänien, 18 Jahre jung, labert mich voll. Ich bin zu müde und lasse diesen Wörtertsunami über mich ergehen. Für alle, die mich kennen – ich habe über z w a n z i g Minuten lang kein Wort gesagt!! Bitte, bitte ich will einfach nur ins Bett. Peter links von mir amüsiert sich prächtig und tauscht sich intensiv mit Holland und Italien aus. Derweil textet mich Piedro weiter zu. ICH WILL INS BETT. Und nein, bitte keinen neuen Wein bringen – zack zum Zweiten – steht die nächste Flasche Wein da und mein Glas ist wieder voll. Ich lasse es stehen und stupse Peter sanft, damit er mich rettet. Leider ist er zu gefesselt, um meinen Wunsch zu checken. Piedro schnattert wie eine Nähmaschine die rattert. Man kann nicht mal mit dem Wunsch unterbrechen, ins Bett gehen zu wollen.

Endlich – es ist schon Mitternacht – geht’s Richtung Schlafsaal. Es geht nicht mal 1 Minuten und ich bin im Tiefschlaf. Fünf Stunden später klingelt der Wecker.

Eine kühle Brise durchzieht unser Zimmer – herrlich. Also – hopp und los. Wir sind ganz alleine unterwegs. Quer durch die Stadt, vorbei an schönen Häusern, interessanten Gebäuden und alles gewürzt mit einem hässlichen Kohle-Diesel-Gestank. Einfach nur schneller laufen, vorne am Meer bläst der Wind und die Luft dort wird gut sein.

Die Sonne ist inzwischen aufgegangen, als wir am Meer ankommen. Die ersten 10 km stecken in unseren Beinen. Ich brauche eine Pause. Das war letzte Nacht definitiv zu wenig Schlaf und zu viel Wein. Viel Wasser und eine Banane sollen Abhilfe schaffen. Beim Entsorgen der Bananenschale fällt mir etwas auf.

Ganz genau hinschauen – aber bitte leise sein. 🙂

Danach geht’s dem Meer entlang, immer noch im Schatten – doch das wird sich bald ändern und mit dieser Änderung erteilt uns der Camino Portugues da Costa seine erste Lektion.

Nah am Hitzeschlag

Wie kann man nur so dooof sein zu glauben, dass man bei 40° Celsius an der prallen Sonne die gleiche Leistung bringen kann, wie im kühlen Wald bei 20° Celsius? Peter – the machine – trabt wie ein Bierbraupferd über Stock, Stein und Holzstege, ich hechle von Schattenplatz zu Schattenplatz. Mein Pulsmesser schlägt Alarm. Wir bauen mehr Pausen ein und natürlich mahnt mich Peter, dass er keine Lust habe, erst um Mitternacht am Zielort zu sein. Mein Körper spricht klare Worte – übertreib es nicht – das ist nicht lustig. Peter sieht mit dem Blick auf meinen Pulsmesser auch ein, dass wir mehr Pausen brauchen. Nebst der körperlichen Anstrengung ist auch das, was ich sehe, eine ziemliche geistige Herausforderung. Überall liegen sie in Badehöschen am Strand oder springen ins kühlende Nass. Ich habe ja gewusst, dass dies so sein wird. Dass es mich aber so verwirrt, hätte ich nicht geglaubt.

Ab morgen werden die Etappen kürzer. Alles andere wäre ein Wahnsinn. Ausser, es würde kalt und regnerisch werden. Aber danach sieht es im Moment nicht aus. Unsere heutige Ruhestätte ist auf einem Campingplatz. Alles andere ist wegen “Duweisstschonwasichmeine” geschlossen. Wir haben so ein kleines Häuschen. Eigentlich ganz hübsch – wenn die Klimaanlage funktionieren würde. Mir ist grad alles egal. Ich bin müde, die Sonne hat mich in die Knie gezwungen. Dafür geht es meinen Füssen prima.

Morgen machen wir es besser. Um 5 Uhr raus, eine Etappe, die man bis spätestens 12 Uhr schafft und alles wird gut.

Bom Caminho!


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