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Der Tag danach

Rom zu Fuss und per E-Trottinett – 17,8 km plus keine Ahnung

Nach der Ankunft in Rom auf dem Petersplatz haben wir – zu Fuss – unsere Unterkunft gesucht. Ein kleines Hotel in der Nähe der Basilica di Santa Maria. Auf der Suche nach dem Eingang stolperten wir sozusagen über ein kleines Ristorante in einer Seitengasse, welches uns ohne grosse Mühe viel Geld aus der Tasche zog, weil wir a) Hunger hatten b) noch mehr Hunger c) Festfreude und d) Durst. Die Müdigkeit in Kombination mit einem Glas zu viel Wein hat uns dann ziemlich rassig in den wohlverdienten Tiefschlaf versetzt und zack war es Morgen.

Pünktlich um 06h30 sind wir aufgewacht und haben uns überlegt, wohin es heute geht. Ähm. Nix laufen. Unsere Körper sind aber voll noch darauf eingestellt. Peter meinte nur: „Hast du die E-Trotinett gesehen? Also heute laufen wir gar nichts. Wir nehmen diese Dinger.“ Hallo? Ähm. Welchen Teil von «Wir kommen gerade von der Via Francigena” hast du nicht verstanden? Der gleiche Mann hat dann viele Stunden später gesagt: „Wieviel Kilometer sind wir eigentlich heute gelaufen? Was? Erst 10? Da muss noch was gehen!“ Herrlich. Ich liebe diese Inkonsequenz (nicht immer, aber meistens).

Zuerst mussten wir uns mal ein touristenkonformes Outfit anlegen. Das ist gar nicht so einfach, wenn man auf Kommando was zum Anziehen sucht. Die Geschäfte schliessen um 10 Uhr auf, also vorher Kaffee, eine Süssigkeit und dann warten, warten, warten. Rumlaufen wäre doch noch eine Idee – gesagt, getan. Dass wir vor lauter Rumlaufen 5 Meter am Trevibrunnen vorbeigelaufen sind, haben wir erst am Nachmittag realisiert. Ha. Ha. Dass man mit 20 Minuten Rumlaufen mindestens 5 Kirchen passiert, ist auch eine neue Erfahrung.

Kleider einkaufen mache ich – eigentlich – gerne. Wenn aber mein Göttergatte dabei ist, wird das immer etwas komplizierter. Einerseits erkenne ich an seiner Gestik und Mimik, dass er es viel schneller könnte wie ich und andererseits gefallen ihm Dinge nicht, die mir gefallen und diese Diskussionen sind sinnlos. Eigentlich haben wir einen sehr ähnlichen Geschmack. Trotzdem kaufe ich Kleider lieber selber ein. Meine Idee, er soll sich seine Sachen suchen und ich meine, stösst auf Akzeptanz – dumm nur, dass er nach 5 Minuten schon weiss, dass es für ihn nichts hat und er bei mir auf dem Tapet steht und wartet, bis ich eeendlich eine Bluse gefunden habe.

Im nächsten Gschäft werden wir dann oberteilsmässig fündig für Peter (er liebt es, wenn ich dabei bin, denn dann bin ich sein persönlicher Kleiderständer) und ist ganz begeistert über sein neues Hemd und seinen Pullover. Passt perfekt. Eine Hose kauft er nicht, es ist nicht sein Hosentag.

Jetzt müssen wir uns aber beeilen, denn wir müssen zurück in Zimmer und dann ab in Richtung Petersdom. Wir haben ein Ticket für das Vatikanmuseum inklusive Sixtinische Kapelle und wollen vorher noch etwas essen.

Tja. Und wie kommt man wohl am Schnellsten von unserem Standort zum Petersdom? Genau. Mit einem Electric Scooter. Jetzt hat er mich. Es gibt so viele Anbieter hier, das ist der Wahnsinn. Wir entscheiden uns für «Lime», weil hier Gruppenfahrten möglich sind. Husch zwei gebucht und zack, geht es los. Über Pflastersteine. P F L A S T E R S T E I N E. Schon mal gemacht? Mit so einem Electric Scooter? Wer das schon gemacht hat, weiss genau, was ich meine. Hey. Da sieht man eigentlich gar nichts. Man wird sooooo durchgeschüttelt, dass man froh ist, dass die Hirnflüssigkeit nicht ausläuft. So ist es. Und wenn man dann die Pflasterstrasse verlassen hat, ist man auf Hauptstrassen und da hat man dann ganz andere Probleme. Autos, Autos von links, Autos von rechts, Autos von überall. Wir fahren wir die Irren und Hirnlosen durch Rom, Slalom, auf Trottoirs, neben Trottoirs – furchtbar. Mir ist jetzt klar, warum die alle so fahren – das geht gar nicht anders. Ich bin froh, dass mein Teil keinen Strom mehr hat und ich dies als Begründung nehmen kann, dass wir die Dinger abstellen müssen. Später bin ich dann doch noch happy mit einem solchen Teil.

Ein paar wenige Schritte vor dem Vatikan essen wir zu Mittag. Pünktlich bewegen wir uns auf die vorbestellte Zeit in Richtung Eingang des Museums und werden von einem Dutzend Guides immer wieder in die richtige Richtung gelenkt. Es ist auszudenken, wie das hier zu und her geht, wenn der Tourismus rockt. Fiebermessen gehört zum Standard und es wird auch immer wieder kontrolliert, dass man die Hände desinfiziert. Da ich allergisch auf diese toxische Alkoholmischung bin, habe ich mir eine Technik angeeignet, die aussieht, als würde ich es tun und alle sind zufrieden.

Das Vatikanmuseum ist beeindruckend – und – es ist zu viel. Kein Mensch kann ein 20-Gang-Menü essen. Wie kommt man denn darauf, dass ein 200-Gang-Menü auch geht? Ich merke, dass ich bereits so nach 20 Minuten einfach noch «aha», «ok», «schön», «wow», «schau mal da», «oha», usw. denke. Ich will raus, weg. Zudem macht mir dieses «Dingsbums» in meinem Gesicht zu schaffen. Wenn man 30 Tage lang tief und fest frische Luft eingeatmet hat und gelebt hat, dann ist dieses «Dingsbums» eine wahre Qual. Kommt noch hinzu, dass das bisschen Bescheissen mit «unter die Nase stülpen» von unzähligen Hilfs-Sheriffs dauernd korrigiert wird. Ist ja alles ok, mühsam ist es trotzdem und es verdirbt mir die Freude an der Sache.

Das führt sogar dazu, dass ich in der Sixtinischen Kapelle stehe und denke «Schön, aber lasst ich einfach raus, ich will atmen.» Irgendwie traurig.

Kaum sind wir draussen, schnappen wir uns eine Flasche Wasser und dürfen nebst dem Trinken auch frei atmen. Rauchen wäre auch noch eine Option. Da reklamiert auch niemand. Seltsame Gesundheitspolitik.

Wir entscheiden uns dafür, dass wir noch den Petersdom anschauen. Auch hier – so wenige Menschen. Bevor wir eintreten können, müssen wir eine Flughafensicherheitskontrolle überstehen. Krasser Scheiss. Selbst der Gürtel bei Peter muss weg.

Der Petersdom ist der Inbegriff von Wahnsinn, oder? Gross erhält hier eine andere Dimension. Leider kann man die Grabstätten wegen «Duweisstschonwasichmeine» nicht besichtigen. Das ist zwar nicht logisch – aber es ist halt so. Peter gefällt beim Verlassen des Doms vor allem die Schweizer Garde. Irgendwie bereut er es, dass er es doch nicht getan hat und sinniert darüber, was wohl wäre, wenn …. Realistisch wie er ist, verlässt er diesen Gedanken sehr schnell und widmet sich unserem nächsten Ziel. Wohin des Weges? Jetzt folgt der Blick auf seine Uhr und sein Kommentar: „Wieviel Kilometer sind wir eigentlich heute gelaufen? Was? Erst 10? Da muss noch was gehen!“

Zuerst ist aber ein Bier fällig und das ist wohl das Teuerste auf unserer ganzen Via Francigena. Siebeneurofünfzig für 4 dl Bier. Na ja, wir hätten es ja ahnen können, dass im Dunstkreis des Petersdoms alle Getränke einfach nur teuer sind.

Auf der Suche nach unserer nächsten Sehenswürdigkeit merken wir, dass wir heute Morgen am Trevi-Brunnen vorbeigehuscht sind, ohne es zu realisieren. Wären viele Touris in Rom, hätten wir es sicherlich gemerkt. Selbst die spanische Treppe haben wir so «nebenbei» unbeachtet gesehen. Wir tschalpen also quer durch Rom und wo landen wir? Beim Pantheon. Auch hier, Fieberkontrolle, dieses Mal nicht an der Stirn, sondern direkt mit Handscan. Krass wie schnell es doch gehen kann – diese digitale Überwachung.

Das Quartier rund um das Pantheon ist der Hit. Überall kleine Bars und Restaurants. Wir laufen und laufen und laufen und merken, dass wir irgendwann irgendwo gelandet sind, wo wir nicht essen wollen. Also, wieder zurück ins schöne Quartier – ABER – sicher nicht zu Fuss. Jetzt bin ich so froh, gibt es diese «Lime». Meine Knie schmerzen, dieses Pflastergelaufe tut mir nicht gut. Ich esse zum ersten Mal hier in Italien eine Lasagne. Auch lecker. Dann schnappen wir uns wieder einen Scooter und hab in Richtung Hotel. Irgendwie wollen wir aber noch ein Glas Wein trinken und kurven so durch die Quartiere auf der Suche nach einem geeigneten Lokal. Es ist irgendwie nicht so lustig. Überall patrouillieren Polizeiwagen oder stehen Militärfahrzeuge. Wir stellen die Scooter ab und wählen ein kleines Ristorante in einer Seitengasse. Tja. Hier kann man Wein nur aus Flaschen trinken – darum wird es ein Espresso, ein Grappa und ein Limoncello.

Ich bin froh, als wir im Zimmer sind. Der Tag war lang, ich bin müde.

Buona notte.


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