Allgemein Via Francigena

Tag 20 – Und dann geht es doch noch

Von Ponte D’Arbia nach San Quirico, 27,19 km

Der gestrige Abend in Ponte d’Arbia war sehr besonders. Erstens mussten wir bis 20h45 warten, damit wir endlich essen konnten, denn die Trattoria im Ort hatte Wirtesonntag am Donnerstag und die kleine Bar war kurz mit 20 Pilgern überfordert. Also mussten wir in Etappen essen. Unsere Herberge ist so richtig herbergig, ABER, direkt angebaut ist ein privates Haus mit zwei MEGAKLÄFFERN (=Hunde). Bewegt sich auch nur ein Gras, hört man ein Wau, wau, wau, wau und zwar im Duett. Einfach nur schrecklich. Dafür – und das war ein echtes Highlight – wir konnten die gesamte Wäsche waschen UND in den Tumbler stecken. Was für ein Dufthighlight.

Das Nachtessen war wunderbar einfach und wir hatten dabei die Gesellschaft von einem “richtigen” Pilger. Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass er oder sie den Pilgerweg im Winter gelaufen ist. Aha. Zum Glück wissen wir das jetzt auch.

Der Morgen ist perfekt, weil wir frisch gewaschene Kleider anziehen können. Ein unbezahlbares Gefühl. Es ist besonders, zu dieser Zeit hier wandern zu können, denn der Nebel schenkt uns ein paar einmalige Bilder.

Eigentlich dachte ich, dass es für mich heute gut läuft – falsch gedacht. Es geht schlecht. Sehr schlecht. In Buonconvento erwäge ich, den Weg für heute abzubrechen und mit dem Bus zum nächsten Ziel zu fahren. Irgendwie eine saublöde Situation, wenn zwei Menschen laufen wollen aber nicht alle vier Beine können. Ich merke Peter an, dass er laufen will aber nicht alleine. Kurzerhand drückt er mir zwei Schmerztabletten in die Hand und los geht’s.

Mit jedem Schritt wird es besser und ich kann den Weg richtig geniessen. Was für eine Landschaft. Was für eine Ruhe. Eine italienische Reisegruppe stört Peters’ Frieden und wir müssen entweder langsamer laufen oder schneller. Wir entscheiden uns für schneller und sind schnurstracks im Brunello di Montalcino-Gebiet.

Im Castello Tricerchi versuchen wir unser Glück. Vielleicht können wir ja von diesen sonnenverwöhnten Trauben etwas degustieren. Ein sehr elegant aussehender und gut gekleideter junger Mann mustert uns von oben bis unten und meint, Pilger würden hier nicht passen. Ok, du Arsch, dann laufen wir halt weiter. Wir sind so zufrieden mit Wandern und diesen Aussichten, dass diese Abfuhr uns gar nicht stört.

Nur wenige Kilometer weiter laufen wir an Caprazo vorbei, auch eine Kellerei. Aber hier wird man gänzlich anders begrüsst. Es gibt sogar ein “Caprazo Pilgrim’s Break”. Das lassen wir uns nicht nehmen und machen ein wunderschöne Pause bei einem Glas Brunello, einem Sandwich und Wasser. Herrlich, dieses kleine Plätzchen, mit direktem Sichtkontakt auf Montalcino.

Peter hat den ganzen Tag schon darüber geredet, dass es am Schluss noch richtig hart werden wird. Das Dörfchen San Quirico liegt nämlich auch auf einer Anhöhe (wie könnte es anders sein?). Na ja, es ging schon mehrmals heute so richtig kräftig hoch – was soll’s.

Auch dieses Dörfchen ist wahnsinnig schön und ein Touristen-Hot-Spot. Unsere Herberge ist echt cool, auf drei Etagen verteilt. Ganz oben sind die Duschen und ein grosser Raum. Wahrscheinlich wird hier heute die italienische Plapper-Gruppe sein. So kommt es auch, aber wir hören sie nicht, da wir ja zwei Etagen tiefer im Zimmer mit Lukas schlafen. Lukas ist ein grosser, schlacksiger Deutscher, der wahrscheinlich nicht mal 30 Jahre alt ist. Solche Dinge fragt man einfach nicht beim Pilgern.

Ich bin so dermassen müde und wir haben wegen meiner Muskelprobleme so viele Pausen gemacht, dass wir sehr spät ankommen. Einen Blog zu schreiben, schaffe ich nicht mehr. Ich werde dafür morgen zwei machen. Das darf ja auch mal sein, oder?

In diesem Sinne freue ich mich jetzt auf ein Essen, denn ich habe einen Bärenhunger.

Buon appetito.


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