Camino Fernwanderungen

Gluteus Maximus ersetzt aufwärts

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal dermassen kalt hatte. Ich bin sozusagen ein grosses Eiswürfeli. Wie immer haben wir zwar super warmes Wasser fürs Duschen. Aber das reicht heute nicht. Ich ziehe den Schlafsack bis zur Nase hoch und zeitweise auch drüber. Trotzdem friere ich.

Meine linke kleine Zehe macht mir Sorgen. Sie ist eigentlich keine Zehe mehr sondern nur noch ein Haufen aufgeblähter Haut. Mal schauen, wie es morgen wird, wenn ich in die Schuhe reinschlüpfe. Die Herberge ist der Hammer. Sie liegt mega schön und die Räume sind einfach herrlich nostalgisch. Der Empfang war einmalig – bis dann die Crew wechselte. Es hatte was von good cop und bad cop. Schrecklich. Die erste Frau war super spassig fröhlich, verständigte sich mit uns in Spenglisch. Die zweite wollte partout kein Englisch verstehen wollen können sollen. Peter hat seinen Charme spielen lassen. Schlussendlich hatten wir genug zu essen und zu trinken. ¡vale!

Nostalgisch. Einfach schön. Genial gelegen.

Um 06h20 erwachen wir. Upsala. «Verschlafen». 5 Minuten später stehen wir in unseren Schuhen und sind parat für die nächste Etappe in Richtung Santiago de Compostela.

Auch heute – ich habe mich informiert – gibt es einiges an Aufstieg. Gestern hat mich der Anblick eines Aufstiegs dermassen demotiviert und das Wort «aufwärts» hat mich obendrauf noch fix und fertig gemacht. Also brauche ich einen «mindchange». Beim Einschlafen habe ich mir überlegt, was ich «dagegen» bzw. «dafür» tun könnte und bekomme schon in den ersten wenigen Minuten die Chance dafür.

Ich sehe «Aufstieg» und denke «Scheisse, aufwärts» und korrigiere auf «Hey, cool. Ein Arschtraining! Dein Gluteus Maximus wird jetzt richtig schön geformt!» Und siehe da. Meine Zellen finden das lustig und interessant und machen fröhlich mit. Kein Widerstand. Nix. Nada. So viel sei verraten – es funktionierte den ganzen Tag.

Oh schade. Es ist flach. Bigsmile.

Mein linker Fuss macht mir dafür Sorgen. Es ist die kleinsten Zeh, aber sie ist arg lädiert. Sie leidet und bei jedem Schritt macht sie sich bemerkbar. Ich bin mental gefordert. Nach Fonsagrada hoch war es die Hölle. Ich schaffe pro Atemzug einen Schritt und merke, dass ich so wunderbar auf mein Herz und meinen Körper zugreifen kann. Wow. Was für ein Geschenk.

Wir entscheiden, dass wir noch weiter gehen, A Fonsagrada ist gar «unhübsch» und landen in einer Herberge inmitten im Wald. I love it

Buen Camino


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