Camino Fernwanderungen

Es geht nur noch aufwärts

Erkenntnis der Nacht: Es ist irgendwie unpassend, sich aus einem Hotelzimmer für den Weg aufzurappeln. Es stimmt einfach irgendwie nicht zum Camino. Trotzdem war ich sehr glücklich und froh darüber, dass wir dieses Hotelzimmer hatten. Die Wanderung gestern durch Regen und Wind hat uns massiv unterkühlt und das heisse Bad war mehr als nur richtig richtig schön.

Der Himmel ist sternenklar, aber es ist arschkalt. Eigentlich bräuchte ich zwei Jacken. Und einen Pulli. Und Handschuhe. Leider Fehlalarm. Sehr schnell bin ich aber froh, dass ich das alles nicht angezogen habe. Es geht einfach nur aufwärts und aufwärts und aufwärts und nochmals aufwärts. Da denkst du, endlich geschafft, und vor dir liegt noch eine Steigung. Ich habe zum Glück das heutige Wanderprofil nicht gecheckt, also schwelge ich im permanenten Optimismus. Meine Füsse tragen mich. Ich erinnere mich an die vielen Wanderungen mit meinem Vater. Schon damals hat er mich oft «Berggeissli» genannt, weil ich so leichtfüssig unterwegs war.

Ich habe etwas Sorgen, ob ich das alles schaffe heute, denn meine Füsse sind lädiert. Ich habe Blasen an beiden kleinen Zehen und eine grosse an der linken Ferse. Gestern Abend durchzog ich sie alle mit einem Faden und heute Morgen hat sie Peter wunderbar versorgt.

Farbenpracht in Stein

Die ersten Schritte sind immer die mühsamsten – bis der Motor wieder läuft. Aber dann geht es wie von selbst. An einer Stelle unserer heutigen Etappe sind wir sehr verwundert, weil sich unsere Muskeln wie zusammengezogen haben und wir uns nur noch mühsam über den Weg schleppen konnten. Das Rätsel war schnell gelöst. Wir befanden uns direkt unter einer Hochspannungsleitung. Unsere Muskeln kribbeln und sind gelähmt. Wir sind froh, aus diesem Spannungsfeld raus zu sein. Da soll noch jemand behaupten, man merkt so was nicht – es war krass.

Die Mittagspause hoch oben aus dem Rucksack ist ein Highlight. Ich glaube, man kann nach einem solchen Aufstieg essen, was man will, es ist eh herrlich. Wir sind mitten beim Essen, als ein Taxi anhält und einen asiatischen Mann auslädt. Dieser Typ überholt uns dann später auch noch. Links eine Handtasche, rechts eine Gehhilfe. Wir treffen ihn wieder an einer Herberge, weit vor unserem Ziel. Auch ein Camino – seiner halt.

Inzwischen sind wir zufrieden und happy in der brandneuen Herberge angekommen. Sie ist voll und wir realisieren, es ist ja das Pfingstwochenende. Husch husch reserviert uns Peter zwei Betten für den nächsten Tag. Die Spanier sind unterwegs und morgen müssen wir in Castro schlafen können. Sonst wird es hart. Unglaublich hart und lang.

Buen Camino


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